Change macht man nicht nebenher

Alumna Charlotte erzählt von ihrem Bildungsprojekt climb und einem aufregenden Jahr mit PEP

by Katharina Fabian, October 28, 2015

Charlotte Frey ist Mitgründerin von climb, Preisträgerin des startsocial-Sonderpreises der Bundeskanzlerin und das, was man als eine Power-Sozialunternehmerin bezeichnen kann. Wir haben sie gefragt, wofür climb steht, was ihr am Herzen liegt und was sich mit PEP für sie verändert hat.

Charlotte, erzähle uns ein bisschen was über climb…

climb steht für „clever lernen, immer motiviert bleiben“ und wir machen schlaue Ferien für eine mutige Gesellschaft. Das heißt: wir organisieren jährlich über 15 Lernferienangebote in Hamburg und NRW, bei denen Kinder, die es auf ihrem Bildungsweg nicht immer leicht haben, in den Ferien Selbstbewusstsein und Lernmotivation tanken können, und junge Erwachsene ihre Stärken kennenlernen, sich in Teamarbeit und Führungspositionen ausprobieren und sich auf ihrem Bildungsweg orientieren können. Angefangen haben wir im Vollzeitehrenamt neben unserer Tätigkeit als Fellows bei Teach First Deutschland, mittlerweile haben wir 15 MitarbeiterInnen und über 1000 Kinder begeistert.

Für wen stellt climb einen Mehrwert dar und warum?

Das Besondere an climb ist, dass unsere Lernferien immer zwei Zielgruppen haben: die Kinder und die jungen Erwachsenen, die als „climb-LehrerInnen“ die Lernferien gestalten. Für die Kids bedeutet climb zwei Wochen entspanntes Lernen, Ausflüge, neue Freunde und ein gehöriger Kompetenzschub. Und für die Erwachsenen ist climb ein Soft-Skills-Kurs, der nebenbei Gutes tut. Außerdem: Denken wir doch mal an unsere eigene Schulzeit zurück und stellen uns vor, wir hätten nur LehrerInnen gehabt, die ihren Beruf als Berufung verstehen. Oder erinnern wir uns an Orientierungsphasen, vor oder während des Studiums zum Beispiel. Wer hat sich nicht auch schon einmal für den Weg des gerignsten Wiederstandes entschieden und sich danach über die eigene Mutlosigkeit geärgert? Da wollen wir mit climb ran: Menschen zeigen, wie viel sie in sich tragen, und ihnen den Mut machen, ihr Potenzial in die Welt zu tragen. Wir glauben, diese Veränderung kann schon im Klassenzimmer anfangen.

Du sagtest, climb steht für „clever lernen, immer motiviert bleiben“. Was ist so wichtig an der Verknüpfung aus Lernen und Freude?

Erwachsene glauben uns das ja immer nicht, dass Lernen Spaß macht. Für die meisten bedeutet Lernen: Arbeit und Anstrengung, lange Nachmittage am Schreibtisch und kein Platz für eigene Gedanken. Das macht ja auch wirklich keinen Spaß! Deswegen verstehen wir unter Lernen etwas ganz anders: Lernen heißt, sich weiterentwickeln. Wachsen und sich strecken, sich Hilfe holen, sich neue Kompetenzen und neues Wissen aneigenen und es nutzbar machen. Das kann passieren, während ein Kind sich eine neue Malreihe aneignet oder ein Jugendlicher erste deutsche Wörter schreibt, genauso im Kochprojekt, in der Nachbesprechung der Unterrichtshospitation oder im Kletterwald. Wenn Menschen Erfolge haben, wenn sie spüren, dass es sich lohnt, Neues auszuprobieren, wenn wir Misserfolge auffangen und das Ausprobieren feiern, dann macht Lernen Spaß, und Weiterentwicklung ist möglich.

Was war Deine beste Entscheidung im letzten Jahr?

Mich für PEP zu bewerben!

Was hat Dir persönlich das PEP Stipendium bedeutet? Was hat es für climb bedeutet?

Geschenkte Zeit ist das wirkungsvollste Geschenk, das man jungen SozialunternehmerInnen machen kann – deswegen war PEP für mich und für climb so ein Segen. Zeit und finanzielle Sicherheit bedeutet einfach, dass man Energie hat, sich anderen Dingen zuzuwenden, so konnten wir das Jahr nutzen, um einen riesigen Professionalisierungschritt nach vorne zu machen. Und: Teil von PEP zu sein, bedeutet, eingebunden zu sein in ein Netzwerk mit einer unglaublich angenehmen Kultur aus Förderung und Forderung, hohen Ansprüchen und jeder Menge Unterstützung. Man wird als Mensch und SozialunternehmerIn gesehen und wertgeschätzt, von Menschen, die genau wissen, was das bedeutet – das tut richtig gut!

Welchen Rat gibst Du den neuen PEP-Stipendiaten für das kommende Jahr mit auf den Weg?

Bleibt anspruchsvoll mit Euch und leidenschaftlich mit Eurer Zielgruppe, fällt mutig Entscheidungen, setzt ganz viel um und investiert genauso viel Zeit in Themen wie “Wirkung” und “Theory of Change”, redet im Team viel miteinander über Eure Wünsche, Rollen, Verantwortlichkeiten, nehmt Euch selber nicht allzuwichtig und fahrt mindestens einmal im Jahr gemeinsam ans Meer anstatt zu arbeiten.

Was muss geschehen, damit Projekte wie climb es zukünftig leichter haben?

Wir brauchen mehr Verständnis dafür, dass soziale Innovation von Menschen umgesetzt werden – Menschen, die gerne auch ihre Miete bezahlen möchten. Bei allem Respekt vor Ehrenamtlichen und was sie gerade dieser Tage leisten: Veränderung macht man nicht ,nebenher‘. Professionalität ist mindestens genauso wichtig wie Engagement, um wirksam arbeiten zu können, und deswegen wünsche ich mir mehr offenere Ohren bei Geldgebern für Personalkosten der Projekte, die sie fördern und mehr Mut, großes Geld in große Wirkung zu investieren. Außerdem auf dem Wunschzettel: Mehr Verständnis für junge GründerInnen, Bahncard100, Sekt-und-Mate-Flatrate. Das übliche.

Vielen Dank, Charlotte!

Charlotte wurde genau wie Simon - von dem ihr hier mehr lesen könnt - für ein Jahr von Ashoka und SAP mit einem PEP Stipendium gefördert. Wenn Dich das PEP-Stipendium auch interessiert, hier gibt es alle Infos dazu. Oder Du schreibst eine Email an pep@ashoka.org.

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