Volltreffer! Wie aus Patenschaft Freundschaft wurde

Turning the Tables mit Jeta und Jula - Tandempaar im Berliner Verein "kein Abseits!"

by Katharina Fabian, February 11, 2016

Viele Projekte für geflüchtete Menschen finden derzeit besondere Aufmerksamkeit in den Medien. Nur wenige berichten dabei aber über diejenigen, um die es geht: Die Geflüchteten selber. Um zu verstehen, wie die einzelnen Projekte tatsächlich wirken und wie sie von denen aufgenommen werden, für die sie gemacht sind, wechseln wir in der Reihe "Turning the Tables" regelmäßig die Seiten.

Dieses Mal haben wir Jeta und ihre Mentorin Jula getroffen. Die beiden haben vor ein paar Wochen eine achtmonatige Patenschaft bei kein Abseits e.V. begonnen und bilden ein so genanntes Tandem. Jeta kommt aus dem Kosovo. Jula ist ehrenamtlich für kein Abseits! tätig, sie ist 26, studiert Lateinamerikastudien und wohnt seit zweieinhalb Jahren in Berlin.

Der Verein kein Abseits! e.V. realisiert seit dem Jahr 2011 Integrations- und Bildungsprojekte mit Berliner Schulen, Flüchtlingsheimen und Universitäten. In einer Kombination aus Sport, Eins-zu-Eins-Mentoring und Berufsorientierung werden die teilnehmenden SchülerInnen individuell und ganzheitlich gefördert.

Das Tandem: Jula und Jeta

Jeta, erzähl uns bitte ein bisschen über Dich...

Ich bin Jeta. Ich bin zehn Jahre alt und gehe in die fünfte Klasse. Ich komme aus dem Kosovo und bin seit einem Jahr in Berlin. Ich habe eine Schwester und zwei kleine Brüder. Meine Lieblingsfarbe ist Lila. Ich mag gerne Schwimmen, Sport, Tanzen, Kochen, Spazieren, Ballett und Klettern.

Wie bist Du in das Programm von kein Abseits! gekommen?

Ich war in der Tanz-AG und es gab es eine Veranstaltung, da wurden alle Familien zusammengerufen. Clara (Koordinatorin kein Abseits! e.V.) hat etwas über das Projekt mit Studenten erzählt und Fotos gezeigt. Einige haben gesagt, sie wollen nicht mitmachen, weil sie Angst haben, aber mein Papa hat gesagt, wir machen das, weil es schön für Kinder ist.

Was machst Du mit Jula, wenn Ihr beiden Euch trefft?

Wir machen ganz viel. Wir waren im Museum, beim Bowling, Minigolf spielen, da habe ich gewonnen! Wir haben Kekse gebacken bei Jula und waren Schlittschuhlaufen und gestern haben wir Musikinstrumente gebastelt. Und wir haben ein Buch gekauft, ein Tagebuch. Wir schreiben immer, was wir machen und wo wir hingehen und kleben Fotos ein. Wir sehen uns immer donnerstags und ich freue mich jedes Mal darauf. Außerdem habe ich am 7. Juli Geburtstag – und das ist dieses Jahr ein Donnerstag!

Gibt es etwas bei kein Abseits!, das Du gern anders machen würdest?

Nein, ich finde alles toll!

Jeta, was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ich möchte noch viele Sachen mit Jula unternehmen. Wir wollen ins Schwimmbad gehen und in eine Bank, um zu schauen, was man da arbeitet. Wenn ich groß bin, möchte ich in einer Bank arbeiten. Ich will in Deutschland bleiben, im Kosovo ist es auch gut, aber ich will hierbleiben. Ich lerne so viel Deutsch und will so gern hierbleiben, weil Deutschland super ist. Alles gefällt mir hier. Aber ich vermisse meine Familie, ich wünsche mir auch meine Oma und meinen Opa hierher.

Und Du, Jula, wie bist Du zu kein Abseits! gekommen?

Von kein Abseits! habe ich das erste Mal über Facebook erfahren, als eine Kommilitonin gepostet hat, dass noch Mentoren gesucht werden. Und da ich mich schon seit längerer Zeit sozial engagieren wollte, habe ich mich genauer informiert. Das Projekt, die Idee und die Umsetzung haben mich sofort begeistert und ich habe mich beworben.

Hat sich für Dich etwas verändert, seitdem du in dem Projekt bist?

Ja, seit ich in dem Projekt bin, treffe ich mich einmal pro Woche, meist am Donnerstagnachmittag oder am Wochenende für ein paar Stunden mit Jeta. Bisher waren wir immer zu viert, weil Jetas kleine Schwester Jona auch bei dem Projekt mitmacht und mit einer Freundin von mir ebenfalls ein Tandem bildet. Die Treffen sind immer sehr schön und abwechslungsreich, wir unternehmen viele Dinge und lernen verschiedene Orte in Berlin kennen. Das Schönste ist, dass wir uns immer besser kennen lernen, wir uns viel erzählen und Stück für Stück eine vertrauensvolle Beziehung entsteht. Ich freue mich sehr auf die Treffen, weil sie mich oft aus dem Alltagsstress, Uni und Arbeit herausholen und sehr bereichernd sind. Ich lerne sehr viel. Kinder sind unglaublich toll, sehr kreativ und erstaunlich. Wir lachen viel zusammen. Gleichzeitig bedeutet es auch, Verantwortung zu übernehmen, die Treffen zu planen und viel Zeit zu investieren. Das mache ich aber sehr gerne.

v.r.n.l. Jula, Birte (Mentorin von Jona), Jona u. Jeta. Jula und Birte sind befreundet und da die Schwestern nicht gern getrennt voneinander unterwegs sind, unternehmen sie meistens etwas zu viert.

Was würdest du anders machen, wenn du ein Projekt wie kein Abseits! leiten würdest? 

Ehrlich gesagt fällt mir nichts ein. Das Konzept des Mentorings finde ich super. Das Team von kein Abseits! ist toll, wir wurden gut vorbereitet, es gibt regelmäßig Schulungen und Möglichkeiten zum Austausch. Es finden gemeinsame Gruppenaktivitäten mit anderen Tandems statt, gestern zum Beispiel haben wir Musikinstrumente gebastelt und gemeinsam musiziert. Wir schreiben regelmäßig Tagebuch, das ist toll. So kann man sich immer an die schönen Treffen erinnern, gemeinsam kreativ sein und Jeta verbessert durch das Schreiben und Lesen kleiner Texte ihre Sprachkenntnisse. Als wir beim Bowling waren, kam sie von alleine auf mich zu und fragte, ob wir jetzt Tagebuch schreiben könnten.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Jeta und ich noch viele weitere tolle Treffen haben und wir beide von der gemeinsamen Zeit sehr viel mitnehmen und profitieren werden. Es wäre schön, wenn es mehr Projekte dieser Art geben würde. Außerdem wünsche ich mir, dass die Menschen hier in Deutschland aufgeschlossener werden, empathischer, optimistischer und sich auf Begegnungen dieser Art freuen, daran teilhaben und sich darauf einlassen, Neues zu lernen.

Jeta und Jula, vielen Dank, Euch beiden!

 

***Dieser Artikel gehört zu unserer Reihe "Turning the Tables", in der wir die Geschichten der Menschen hören wollen, für die soziale Projekte ins Leben gerufen werden. Oft berichten wir dabei über die Projekte ehemaliger Teilnehmer der PEP-Wirkungsschmieden***